Das Auschecken aus dem Radisson SAS am Donnerstagmorgen fiel uns schwer. Immerhin hatten wir uns an das opulente Frühstücksbuffet, die Kaffeemaschine im Zimmer, die Sauna und den Room Service gewöhnt. Doch was sein muss muss sein und wir nahmen das Taxi zum Flughafen.

Einchecken ging problemlos und pünktlich um 1225 verliessen wir Lettland endgültig in Richtung München. Dort verliefen wir uns zuerst einmal auf dem Weg in einen anderen Terminal, gingen Fischbrötchen essen und hatten Scherrereien mit dem Gepäck. Wir nahmens locker und stiegen wiederum pünktlich in eine Propellermaschine der italienischen „Air Dolomiti“, mit einer deutschen Flugnummer und durchgeführt von TAP (portugiesische Airline).

Nach einer Stunde Flug und mit einem italienischen Grüselschoggigipfeli im Magen kamen wir in Prag an. In der Touristeninfo gaben sie uns die Nummern einiger Hostels und gleich beim zweiten hatten sie noch ein Apartement frei. Wir checkten für drei Nächte à 88€ oder 2250Kč (tschechische Kronen) ein und luden unser schweres Gepäck ab. Ich hatte meine 20kg voll ausgereizt, Andi und Basil hingegen waren relativ leicht beladen. Wir gingen früh ins Bett und genossen am nächsten Morgen das weniger opulente Prager Frühstück (komisches Brot mit Butter und komischer Gomfi, dazu Müesli, Saft und Coffee; alles inklusive).

Am HB buchten wir den Nachtzug für Sonntagabend und erkundeten anschliessend die Stadt. In der Synagoge lernten wir mehr über die Geschichte der tschechischen Juden und bestaunten die prächtigen Ornamente (war ein wenig wie eine katholische Kirche, nur ohne die ganzen Skulpturen und sonstige Bling Blings). In einem Shopping Center kauften wir einige neue Jeans, T-Shirts und Pullis.

Am Abend partizipierten wir an einem sogenannten Pub Crawl, eine geführte Tour durch verschiedene Bars und Clubs mit anderen jungen Leuten aus der ganzen Welt.

Samstags besichtigten wir einen Elektronikmarkt und machten eine zweistündige, kommentierte Tour durch Prag auf einem Touristenvehikel. Die Prager Burg mit Kathedrale schauten wir am Sonntagnachmittag von aussen an, da wir keine Lust hatten, lange anzustehen. Gegen 1600 kehrten wir zum Hostel zurück, schnappten unser Gepäck und schleppten uns zum HB. Pünktlich um 1714 fuhr der Nachtzug nach Zürich ab und unser Trip around Europe war fast zu Ende.

Um 0650 kamen Basil und ich in Zürich an, noch ein wenig müde und hungrig. Andi war schon in Sargans ausgestiegen, da er so schneller zuhause war. Wir verabschiedeten uns und machten uns auf den Heimweg.

Verfasst von: Robin | 5. August 2009

Abschied vom Camper, Mittwoch 05. August 2008 20:52

Heute Morgen um 1100 bahnte sich langsam eine Entscheidung an. Die Versicherung informierte uns, dass sie ein Getriebe aus der Schweiz einfliegen könnte, was uns aber mindestens 4700CHF ohne Einbau, MwSt. und Zollgebühren gekostet hätte. Ein Heimtransport kam nicht in Frage, da die Kosten höher wären als der Camper Wert hat.

Unser geliebtes Mobil in Lettland verschrotten zu lassen kam weder für uns noch für Andis Eltern (denen wir den Camper abgekauft hatten) in Frage. Also informierten wir die Versicherung, dass wir gerne das Getriebe einfliegen würden. Dies wiederum gefiel dem Mann vom TCS nicht so ganz, da sie schon schlechte Erfahrungen mit Ersatzteillieferungen ins Ausland gemacht hatten.

Also bot er uns an, die Kosten für einen Heimtransport zu übernehmen, wenn wir garantieren, den Camper in der Schweiz reparieren zu lassen. Nichts lieber als das!!!

In der Schweiz würden wir schon Zeit haben, ein Getriebe aufzutreiben.

Also leiteten wir in der Garage alles in die Wege, holten das Gepäck heraus, das wir in nächster Zeit benötigen würden, verstauten die Velos im Inneren und bezahlten die Rechnung für die Getriebedemontage. Schweren Herzens verabschiedeten wir uns von unserem Camper, der uns über zwei Monate und 13’000km lang gute Dienste geleistet hatte.

Da wir unsere Reise nicht ganz abbrechen wollen, fliegen wir morgen noch für vier Tage nach Prag, wo wir uns in der Jugendherberge einquartieren und die Stadt erkunden werden.

Nachher heissts Rückkehr in die Heimat, leider zwei Wochen früher als geplant, aber froh, dass die Panne keine schlimmere Folgen hatte.

Gleich nach der Grenze, in der Nähe von Riga, bemerkten wir, dass das Getriebe während dem Fahren ein eigenartiges Geräusch von sich gab. Leicht beunruhigt machten wir uns auf die Suche nach einer Werkstatt, die samstags um 1800 noch geöffnet hatte. 20km nördlich von Riga führten wir den Camper dem Chef einer kleinen Autoreparaturanstalt vor, der uns jedoch auf Lettisch, Russisch und vor allem pantomimisch zu verstehen gab, dass er nichts machen könne.

Wir beschlossen, am Sonntagmorgen eine Werkstatt zu suchen und einstweilen den 1. August zu feiern. In einem Grasgebiet neben dem Rigaer Hafen errichteten wir unser Nachtlager, fachten gutschweizerischer Tradition entsprechend ein grosses Feuer an und grillierten ein würdiges Nationalfeiertagsmahl. Gut gesättigt packten wir unsere Schlafsäcke, legten uns neben das lodernde Feuer und führten tiefgründige Gespräche.

Am Sonntagmorgen waren wir auf dem Weg zu einer Werkstatt noch nicht 10km gefahren, als die Vorderräder plötzlich blockierten. Der Camper legte eine unfreiwillige Vollbremsung hin (zum Glück war hinter uns kein Auto) und wir standen mit Getriebeschaden am Strassenrand. Nachdem der Camper gut abgesichert war, setzten wir uns mit dem TCS in Verbindung, der uns versprach, einen Abschleppwagen zu schicken.

Dieser kam dann auch ca. 2h später, lud unser Zuhause auf und chauffierte uns zu einer 24/7 Garage. Dort verständigten wir uns mit Händen und Füssen mit der Belegschaft, die sogleich eine Problemanalyse vornahm. Mit vielen Gesten informierten sie uns, dass das komplette Getriebe hinüber sei und die Reparatur eine Weile dauern könne. In der Zwischenzeit hatte uns der TCS eine Unterkunft organisiert, die sich zu unserer grossen Freude im Radisson SAS befand.

Einmal eingecheckt erholten wir uns auf dem Zimmer und im SPA von den Strapazen, gingen Pizza essen und schauten fern.

Am Montagmorgen genossen wir das üppige Frühstücksbuffet (Continental & English) und fragten die Garage nach dem neuesten Stand der Dinge: Sie würden versuchen, ein Ersatzgetriebe aufzutreiben. Leider wurde bis jetzt in ganz Lettland noch kein passendes Getriebe gefunden, wundert uns auch nicht bei einem solchen Oldtimer.

Das “Occupation Museum“ in Riga war hochinteressant. Uns taten vor allem die Letten leid: Zuerst wurde das Land 1939 nach nur 20 Jahren Unabhängigkeit der Sowjetunion zwangseinverleibt, dann  1941 während Hitlers Angriff auf die UdSSR innert zwei Wochen erobert (während der deutschen Besatzung wurden fast alle der 200‘000 lettischen Juden umgebracht). 1945 ging das Land nach schweren Kämpfen erneut für über 40 Jahre an die Sowjetunion zurück.

Im Moment können wir lediglich warten, Tee trinken, die Stadt besichtigen und hoffen, dass irgendwo ein Getriebe gefunden wird. Sonst müssen wir halt eine andere Lösung finden.

Früh aufstehen gehört definitiv nicht zu meinen Lieblingsbeschäftigungen, schon gar nicht an meinem Geburtstag. Aber was sein muss, muss sein und ich stand brav mit Robin und Andi um 8 Uhr auf. Nach einem tollen Frühstück machten wir uns ans Aufräumen unseres Campers, der nach 5 Tagen Fahrpause ziemlich unordentlich aussah.


Wir wollten Russland noch am selben Tag Richtung Estland verlassen. Wir wollten früh an der Grenze stehen. Wir hatten unsere Erfahrungen mit den russischen Zollformalitäten und eine deutsche Camperin erzählte uns, dass man ohne das Bezahlen einer „Gebühr“ mit bis zu 12 Stunden Wartezeit rechnen musste.


Munter fuhren wir los und fanden auch schnell die Ringstrasse, welche uns um St. Petersburg herumführen würde. Grössere Probleme hatten wir damit, die richtige Ausfahrt zu finden. Unsere Strassenkarte war sehr ungenau und die Strassenschilder alle auf Kyrillisch. Nach einem Navigationsfehler landeten wir auch prompt auf einer Landstrasse Richtung Moskau. Der Verkehr war so dicht, dass wir ganze 20 Minuten brauchten, um zu wenden. Nach diesem nervenaufreibenden Erlebnis konnte sich Robin aber zum Glück wieder ein bisschen entspannen. Endlich auf der richtigen Strasse, standen wir eine Stunde im Stau. Balsam für seine Seele war auch der russische Elektro-Pop der am Radio lief.


Nach 4 Stunden Fahrt standen wir an der Grenze zu Estland. Unbegründet waren unsere Sorgen über lange Wartezeiten. Die Grenzposten von Russland und Estland sind durch eine Brücke, die über einen Fluss führt, verbunden. Autos die nach Russland wollen, müssen auf dieser kurzen Brücke warten und dies führt zu Stau. Da wir aber ausreisten, hatten wir dieses Problem nicht. Trotz des üblichen Papierkrieges wurden wir verhältnismässig schnell abgefertigt (ca. 90min).


In Estland fuhren wir noch 2h, bevor wir 50km vor Tallinn einen wunderschönen Rastplatz am Meer fanden. Am nächsten Morgen fuhren wir in Stadt, die uns sehr sympathisch war, da wir im Stadtzentrum sofort einen Parkplatz fanden. Die Hauptstadt Estlands weiss aber nicht nur mit tollen Parkplätzen zu überzeugen. Die Altstadt ist wunderschön, autofrei, überschaubar und voller netter Menschen. Wir besuchten die St. Nikolaus Kirche, in welcher wir viele imposante Gemälde und Artefakte besichtigen konnten. Dazu begleitete uns die Musik eines kleinen Orchesters, das für ein Kirchenmusikfestival probte. Die schönen Klänge wurden nur durch gelegentliche Flüche des Dirigenten in Richtung Organist unterbrochen, der ein Lied nach dem anderen verbockte. Wir zogen weiter zum Schifffahrtsmuseum, welches aber leider geschlossen war. Auf unserem Weg zurück zum Camper warfen wir einen Blick in das Foltermuseum: Nicht gerade appetitanregend, aber interessant.


Gegen Abend fuhren wir weiter und fanden einen Schlafplatz am Ufer eines Baggersees. Zum Abendessen gab es Hühnchen, gegrillt im Bierfass: Köstlich aber verbesserungswürdig. Störend war vor allem der Sand, der bei der Entnahme des Grillguts ins Bierfass rutschte und das Poulet ein bisschen zu „knusprig“ machte.


Pärnu erreichten wir am nächsten Nachmittag, ein kleines Städtchen und einer der beliebtesten Badeorte Estlands. Das Wetter war schlecht, das Wasser aber umso wärmer. Wir badeten und planschten während mehr als einer halben Stunde. Danach fuhren wir noch 200km Richtung Riga und übernachteten kurz vor der Grenze nach Lettland. Natürlich wieder an einem Strand.


Verfasst von: Andi | 5. August 2009

St. Petersburg, Samstag, 25.7.-Dienstag, 28.7.09

Am Samstag, nach längerem Ausschlafen, fuhren wir mit dem Bus (60 Rp.) zur „Leningrader Metro zu Ehren von Lenin und gebaut von Lenin,“ mittlerweile umgetauft auf Metro. Nach jeweils 2:50 min Rolltreppe Fahren (tiefste Metro der Welt) und insgesamt 1h ÖV befanden wir uns am Nevsky Prospekt, der Hauptstrasse St. Petersburgs. Wir schlenderten durch die Strassen, genossen die schöne Architektur und schliesslich das überraschend ruhige Nachtleben. Den nächsten Tag gestalteten wir ebenso ruhig auf dem aus Sowjetzeiten stammenden Campingplatz.

In St. Petersburg lief währenddessen die Parade der russischen Kriegsflotte, aber da wir keine Lust auf tausende betrunkener Matrosen hatten, verweilten wir uns mit Spielen, Filmeschauen und Lesen.

Die folgenden drei Tage verbrachten wir mit Stadtbesichtigung: Peter & Paul Fortress, Kasaner- und Auferstehungs-Kathedrale, Souvenirshops, FSB (ehemals KGB) Hauptgebäude (von aussen), Nevabrücken, Artilleriemuseum, Sandskulpturenfestival und viele Spaziergänge durch die Stadt. Die Auferstehungskathedrale ist die einzige typische Zwiebelturmkirche St. Petersburg. Alle Wände und Decken sind mit Mosaiken dekoriert, welche die gesammte Geschichte Jesu darstellen.

Auch ein Besuch im riesigen Einkaufszentrum, wo sich Basil und Robin ein Döschen Kaviar kauften, fehlte nicht. Am 29. Juli um 0:00 Uhr feierten wir Basils 20. Geburtstag mit (Waffel-)Torte und Gesang.

Von der finnischen Hauptstadt aus waren es 200km bis zur russischen Grenze. Da wir keine Ahnung hatten, was die Wartezeit am Zoll war, wollten wir am Donnerstag noch so nahe wie möglich an die Grenze fahren.

Wir übernachteten auf einem Rastplatz ca. 20km vom Grenzübergang entfernt, ich ging in den endlosen finnischen Wäldern joggen und Bö kochte Sini Gang; eine philippinische Spezialität. Wir genossen den Reis an saurer Bouillon mit Lachs, Bohnen und Spinat, auch wenn das Auge für einmal besser nicht mit ass…

Am Freitagmorgen fing meine lange Fahrerei an, denn ich hatte als einziger in weiser Voraussicht einen internationalen Führerschein (der in Russland obligatorisch ist) beantragt. Meine beiden Mitreisenden waren nicht mit derselben Weisheit ausgestattet und ich hatte dummerweise meine Weisheit nicht mit ihnen geteilt…

Zuerst gings in flottem Tempo an der finnischen Zollkontrolle vorbei (kurzer Blick in den Pass und wir konnten weiterfahren). Nach 5km über holprige Strassen im Niemandsland fragten wir uns, wo denn die legendären russischen Grenzkontrollen geblieben waren.

Doch wir sollten nicht enttäuscht werden: Vor uns tauchte auch schon die Kolonne der anderen Grenzgänger auf.

Bei der Passkontrolle (halbe Stunde Schlange Stehen) bekamen wir einen Stempel auf unser Visa und ein Formular zum Ausfüllen. Bei der Zollstation (wiedereine halbe Stunde) bekamen wir einen Stempel auf das zuvor ausgefüllte Formular und ein zweites Formular (in Kyrillisch) zum Ausfüllen. Nachdem wir die “englische“  Anleitung entziffert und jeder sein Formular in doppelter Ausführung komplettiert hatte, erklärte uns der überraschend anglophone Zollbeamte, dass nur der Fahrer das Papier auszufüllen brauche. Also zerrissen wir den Rest, bekamen ein schmuckes Fahrzeugformular mit Stempel ausgehändigt und kehrten zum Camper zurück.

Nach einer weiteren Stunde Herumhängen warf ein gelangweilter Zollbeamter einen Blick in unser Zuhause auf Rädern, liess die Barriere hoch und winkte uns durch. Wir waren in Russland!!!

Bei einer älteren russischen Strasssenverkäuferin liessen wir 300 Rubel (=10CHF; etwa 9CHF zu viel) für 2kg Heidelbeeren liegen und konnten uns nur knapp vor einem Kübel giftgelber Brombeeren retten. Auf abenteuerlichen postsowjetischen Strassen gings weiter, wir wurden rechts und links überholt und brachten uns mit russischen Pop-Schlagern in die richtige Stimmung (mir gefiels, Bö wars egal, Andi‘s  musische Gehör sehnte sich nach Ohropax).

Die 200km nach St. Petersburg gingen relativ schnell vorbei;  an einer Tankstelle erfreuten wir uns des spottbilligen Diesels (18R/l, ca. 60 Rappen) und nervten uns über den strohdummen Tankwart (eine Sekunde später und wir hätten die Zähne mit Diesel putzen können). Mit Hamburgern aus der Mikrowelle  und Roulade gestärkt, rollten wir unserem Ziel entgegen.

Die Wegbeschreibung zum Campingplatz in unserem Reiseführer war nur rudimentär, wir verliessen uns also auf unsere langjährige Erfahrung und den gut trainierten Instinkt. Ein schwerhöriger Golfplatzwart  und mehrere Tankstellenbetreiber konnten uns leider nicht weiterhelfen, daher suchten wir nach 4-spuriger St. Petersburger Innenstadt in der Rush Hour und etlichen Wendemanövern einen McDonalds auf. Dieser stattete uns sowohl wireless mit GoogleMaps®, als auch kulinarisch mit Burgern und Chicken Nuggets aus (schmecken genau gleich wie in der CH).

Prompt fanden wir das Hotel Olgino (Strassenschild: “ΟТЕЛЬ ОЛЬГИНО“, haha), auf dessen Gelände sich der Campingplatz befand. Wir checkten bei der hochspeditiven deutschsprechenden! Receptionistin ein, holten Bargeld (Kartenleser war kaputt), versuchten zu unserer Unterkunftsbestätigung zu kommen (am Wochenende unmöglich und nachher zu spät, je nu) und manövrierten den Camper um Schlaglöcher herum auf eine Waldlichtung zwischen Hotel und Meer.

Dort wurden wir auch gleich von einer Horde deutscher Camper begrüsst, die uns über die Vorzüge und Tücken des Landes informierten. Ich war KO, hörte nicht mehr zu und ging schlafen.

Verfasst von: Basil | 23. Juli 2009

Helsinki, Montag 20. Juli – Donnerstag 23. Juli

Gegen 7 Uhr Abends hatten wir uns auf dem Campingplatz Rastila eingerichtet. Um das Bestmögliche aus unserem kleinen Stellplatz zu machen, fuhren wir unseren Camper so nah wie möglich an die angrenzende Hecke. Dies hatte aber den Nachteil, dass der Gang zu einem der Stauräume auf der linken Aussenseite zu einer kleinen Dschungelexpedition wurde. Den Abend verbrachten wir damit, die Vorzüge der Zivilisation zu geniessen: Warme Duschen, Waschmaschinen, Strom (eiskalter Kühlschrank und Filme schauen). Wir räucherten auch die gefangenen Fische, jedoch mit mässigem Erfolg. Die armen Tierchen waren so versalzen, dass sie kaum essbar waren. Zitat Robin: „Dieser Fisch ist umsonst gestorben“.

Den folgenden Tag verbrachten wir in der Stadt. Wir kauften uns eine Helsinki Card, welche als Tageskarte für den öffentlichen Verkehr und als Eintrittsticket für viele Museen dient. Im Preis inbegriffen war auch eine Stadtbesichtigung per Bus. Uns dämmerte, auf was wir uns eingelassen hatten, als wir uns in einem mit lärmenden Touristengruppen voll gestopften Reisecar wiederfanden. Während der Tour durch das Stadtzentrum kamen wir auch in den Genuss einer Audiotour, danke welcher wir viel Interessantes über Helsinki und die Finnische Bevölkerung erfuhren (Die Finnen sind weltweit führend bei der Anzahl pro Kopf ausgeliehener Bücher und gehen mindestens einmal pro Woche in die Sauna, Juhui!) Der absolute Tiefpunkt waren aber die Stopps bei einer Kirche und dem Sibelius Monument (Ein berühmter finnischer Komponist), die daraus bestanden, mit der Menge aus dem Car zu stürmen, ein paar Fotos zu schiessen, um dann , nach exakt fünf Minuten, wieder weiter zu fahren.

Nach 90 Minuten verliessen wir ziemlich beschämt den Bus. Bevor wir wieder zum Campingplatz zurückgingen, verpflegten wir uns an einem Markt beim Hafen und besichtigten die wunderschöne Orthodoxe Kirche. Später am Abend verliess uns Andi, um im Casino Poker zu spielen.

Den Mittwoch Tag starteten Robin und ich mit einem Besuch in der Sauna. Ich kam mir vor wie ein Poulet im „Güggeli Grill“. Die bierbäuchigen Finnen schütteten ständig neues Wasser auf die heissen Steine und hielten damit die gefühlte Raumtemperatur auf konstant (zu) hohem Niveau. Die erste Runde, von insgesamt drei war sehr unangenehm. Nach dem ersten Mal Abkühlen ging es aber einiges besser und machte sogar Spass. Nicht nur wir schienen ein bisschen Mühe mit der Hitze zu haben, einer der Finnen kippte ausserhalb der Sauna aus den Latschen. Andi war noch sehr müde von seinem Besuch im Casino und so gingen Robin und ich alleine in die Stadt. Wir besichtigten die grosse Seefestung aus dem 18. Jahrhundert, die im Meer vor Helsinki liegt. Auf der selben Insel (die zum UNESCO Weltkulturerbe zählt) befanden sich noch eine grosse Anzahl anderer Sehenswürdigkeiten, darunter ein Zollmuseum und ein U-Boot aus dem 2. Weltkrieg. Gegen 7 Uhr Abends fuhren wir ziemlich erschöpft ins Stadtzentrum zurück. Wir sollten Andi gegen 9 Uhr treffen, er hatte auch an diesem Abend vor, ins Casino zu gehen. Um die Zeit totzuschlagen, entschieden wir ins Kino zu gehen. Auf dem Kinoprogramm fand sich zu unserer Freude eine grosse Anzahl hochstehender und erwachsener Filme. Wir entschieden uns für Ice Age 3. Der Film wurde in 3D gezeigt und war sehr amüsant, auch wenn meiner Meinung nach die Vorgänger besser waren. Danach besuchten wir Andi im Casino, blieben aber nicht lange. An den Automaten zu spielen hatten wir keine Lust und die Mindesteinsätze an den Roulettetischen waren mit 40EUR viel zu hoch.

Heute Morgen haben wir unseren Camper aufgeräumt und neues Essen eingekauft.

Route für die nächste Woche: Wir wollen morgen nach St. Petersburg fahren und werden vor Anfang August in Tallin sein.

Nach dem Besuch bei Magnus fuhren wir am 12. 20km vor die finnische Grenze und übernachteten in einem Steinbruch. Ohne jegliche Kontrollen überquerten wir am nächsten Morgen die Grenze und füllten an der erstbesten Tankstelle unseren Tank mit billigem Finnendiesel.

An jenem Montag fuhren wir noch bis zu einem mückenverseuchten See, wo Andi fischte und Basil und ich lasen. Vom See aus ging’s 350km gen Süden, auf einen Rastplatz nahe Rovaniemi, der voller Mitcamper jeglicher Nationen war. Andi fischte, Basil las und ich gamte auf der PSP. Am Mittwoch statteten wir dem oberkitschigen „Santa Claus Village“ einen Besuch ab, und hätten für nur 30€ sogar ein Foto mit uns und dem Samichlaus machen können. Wir lehnten dankend ab. In Rovianemi warfen wir einen Blick in die „Martiini Knife Factory“, die auf Fisch- und Jagdmesser spezialisiert ist. Wir widerstanden den Versuchungen des Factory Shops und kauften lediglich ein Filetiermesser für 2€.

Weiter gings zur schwedischen Grenze, die wir kurz überquerten, um ein Auge auf die laut „Rough Guide“ hässlichste Kirchen Schwedens zu werfen. Nachdem wir uns von ihrer Hässlichkeit überzeugt hatten, nahmen wir die Strasse nach Oulu, am finnischen Meerbusen, wo wir auf der Mole eines kleinen Hafens campierten. In Oulu besuchten wir am Donnerstag das „Tietomaa“, die finnische Version des Technorama. Dort bestaunten wir optische Täuschungen, interessante Aspekte der Physik und vor allem die Sportabteilung im 4. Stock, wo man virtuell Skispringen, Armdrücken, Modellfliegen usw. konnte.

In strömendem Regen gings am Nachmittag weiter über finnische Landstrassen mit Schlaglöchern, bis wir neben einer zugewucherten Hütte den Camper auf eine in den See ragende Landzunge stellten. Es regnete wie aus Eimern, Andi aber stieg unbeeindruckt in sein Sintflut-Outfit und ging Fischen. Anscheinend war die Hütte doch nicht so unbewohnt, da uns am nächsten Morgen ein höflicher Finne von seinem Privatgrundstück wegschickte.

Kurz darauf mussten wir zum ersten Mal seit Belgien den Reservekanister hervorholen, da weit und breit keine Tankstelle in Sicht war. An jenem Tag fuhren wir nur ca. 70km weit zu einer Raststätte mit See, wo wir zwei Nächte verweilten.

Unseren Pausentag verbrachten wir mit Schlafen, Essen, Risiko, Fischen, Lesen, PSP, Joggen usw. Bei dieser Gelegenheit zog Andi den bisher grössten Hecht der Reise aus dem Wasser (60cm), der mariniert und grilliert wunderbar schmeckte. Die Mehrheit der Reiseteilnehmer litt am nächsten Tag unter Darmverstimmung, was schon weniger wunderbar war (Zum Glück hatte es ein Plumpsklo 100m neben dem Camper, daher wurde gottseigepriesen unser PortaPotti nicht überbeansprucht).

Sonntags verabschiedeten wir uns vom Rastplatz und fuhren wiederum an einen See, 200km vor Helsinki. Andi und ich lehnten ein Boot mitsamt Rudern aus und verbrachten einige Stunden mit Fischen. Der Fischchampion (ich) zog zwei Hechte aus dem Wasser, sein Novize (Andi) ging leider leer aus, was zu Diskussionen über mein Glück (Andi) / Können  (ich) führte.

Wir entschieden uns, den gefangenen Fisch einer neuartigen Behandlung auszusetzen:

Wir nahmen ihn aus, legten ihn über Nacht in 500g Salz ein und wollten ihn anschliessend in Helsinki räuchern. Unsere Erwartungen waren gross…

Am Montag fanden wir den helsinkier Camping ohne grössere navigatorische Kapriolen, bezahlten die 32€! Euro pro Nacht und richteten uns auf 10m² Beton und 5m² Grasstreifen häuslich ein.

Camper um 14 Uhr, nach 6 Stunden Schlaf:

Mein Wecker klingelt, todmüde stehe ich auf und schlurfe Richtung Badezimmer. Robin liegt schon wach im Bett. Ich murmle: „ Whuaa, ich bin na voll uf de Schnauze. Ich wär für 1 Stund wiiterschlafe.“ Da klingt es schlaftrunken aus Andis Bett: „Jaa, da bini au defür!“.

Immer noch todmüde schälten sich Andi und ich 15 Uhr aus unseren Schlafsäcken, Robin putzte schon fleissig seine Wanderschuhe. Wir fuhren Richtung Kirkenes, denn wir wollten unseren norwegischen Freund Magnus besuchen. Wir lernten ihn während seines Austauschjahres in der Schweiz kennen und schätzen. Momentan absolviert er seinen Militärdienst (1 Jahr am Stück) und ist an der norwegisch – russischen Grenze stationiert. Von den 600km bis nach Kirkenes legten wir am selben Tag noch 386 zurück.

Dabei überschritten wir die Marke von 10’000 auf dieser Reise gefahrenen Kilometern. 600m bevor der Zähler auf 155’711 sprang, fuhr ich auf eine kleine Nebenstrasse, auf welcher wir vorhatten, den Camper über die magische Marke zu stossen. Mit vereinten Kräften schoben wir unser momentanes Zuhause die letzten 100m und dankten dem Camper damit für die vielen problemlos zurückgelegten Kilometer. Der Camper zeigte sich sichtlich gerührt, schüttelte uns die Hände, sagte dass es im eine Freude sei, bedankte sich seinerseits für das gemässigte Fahren, schaute einer Person aber besonders tief in die Augen, als er uns bat, die Kupplung etwas weniger oft schleifen zu lassen.

Nach diesem rührenden Moment fuhren wir weiter und übernachteten nach 7 Stunden Fahrt auf einem Feldweg in der Nähe eines Flusses.

Mit den Resten unseres Festmahls vom Nordkap im Magen, gingen wir verhältnismässig früh ins Bett. Der Schlafrythmus von Andi war offensichtlich mehr gestört als der von Robin und mir. Lange konnte er nicht einschlafen und als die Sonne wieder aufging und es wärmer wurde, machte er zur Kühlung das kleine Fenster bei seinem Bett auf, mit fatalen Folgen: Als wir aufwachten waren wir alle komplett von Mücken zerstochen.

Um je mindestens 2 Liter Blut ärmer, nahmen wir die letzten 220km bis nach Kirkenes unter die Räder.

Um 14 Uhr war es so weit: Wir standen vor dem norwegischen Grenzposten und warteten auf Magnus. Ein Telefonanruf genügte und kurz darauf lief er in Uniform, breit grinsend auf uns zu. Nach einer herzlichen Begrüssung verbrachten wir die restlichen Stunden mit Camper zeigen, Glacés essen, Fotos schiessen, Geschichten und vor allem viel Blödsinn erzählen.

Magnus hat es geschafft, bei den Hundeführern eingeteilt zu werden (Er hat bei der Rekrutierung den Jahresrekord für den 3km Lauf aufgestellt) und verbringt nun an der Grenze das letzte halbe Jahr seines Dienstes. Sein Schweizerdeutsch ist immer noch hervorragend und langweilig scheint ihm auch nicht zu werden. Sie seien gestern im Schlamm Schwimmen und Tauchen gegangen, erzählte er uns. Sie seien dafür aber auch mit ihrer ersten Kordel für die Uniform belohnt worden.

Grundsätzlich scheint es aber gemütlich zu und her zu gehen. Magnus konnte mehrere Stunden mit uns verbringen (er musste nur einmal kurz den Hunden schauen) und einer seiner Kameraden war die ganze Zeit am Fischen. Gegen 7 Uhr rief die Pflicht schliesslich aber doch und wir mussten uns schweren Herzens verabschieden.

Gruss von Magnus an alle die ihn kennen.

Wir haben vor, morgen nach Finnland zu reisen.

 

Nach der Besichtigung des Nordkapcenters fuhren wir um 20:30 Uhr zum Parkplatz des Knivskjelodden. Dieser befindet sich 7 km südlich des Nordkaps am Anfang des Wanderweges zum wirklich nördlichsten Punkt Europas, Knivskjelodden. Richard Chancellor wird 1553 wohl auf Grund des dichten Nebels die Landzunge, Knivskjelodden, nicht gesehen haben und bestimmte deshalb das Nordkap als nördlichsten Punkt Europas.

Die schweizer Büchsenravioli, die wir extra fürs Nordkap aufgehoben hatten, verspeisten wir genüsslich und machten uns um 22:30 auf den 9 km langen Weg. Gut ausgerüstet mit Big Bertha, Verpflegung, GPS und einer beachtlichen Portion Entdeckergeist, durchquerten wir Sümpfe und die karge Landschaft Finnmarks. Wir begegneten Rentieren und Vögeln des Nordens, bis wir schliesslich nach 2 Stunden Wandern unseren Eintrag im „Gipfelbuch“ von Knivskjelodden schrieben.  Noch 200 Meter weiter nördlich erreichten wir dann die 71° 11’ 08’’ nördliche Breite Knivskjeloddens und befanden uns offiziell am Ende Europas.

Gestärkt nach einem kleinen Mitternachtslunch schlüpften wir in unser Badeoutfit und genossen das erfrischende Wasser des Polarmeeres.  Unserer Tradition treu benutzten wir, diesmal die nördlichste, Driving-range Europas und schlugen die Golfbälle zur Mitternachtssonne hin.

Die Zeit verging wie im Flug während wir philosophierten, sinnierten, die Aussicht und den Gedanken, am nördlichsten Rande Europas zu sein, genossen. So verliessen wir erst um 4:00 Uhr Knivskjelodden in Richtung Camper. Als wir um 6:00 beim Parkplatz ankamen, brieten wir uns hungrig noch schnell ein paar Pølser und gingen dann um 7:00 Uhr ins Bett.

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