Von der finnischen Hauptstadt aus waren es 200km bis zur russischen Grenze. Da wir keine Ahnung hatten, was die Wartezeit am Zoll war, wollten wir am Donnerstag noch so nahe wie möglich an die Grenze fahren.
Wir übernachteten auf einem Rastplatz ca. 20km vom Grenzübergang entfernt, ich ging in den endlosen finnischen Wäldern joggen und Bö kochte Sini Gang; eine philippinische Spezialität. Wir genossen den Reis an saurer Bouillon mit Lachs, Bohnen und Spinat, auch wenn das Auge für einmal besser nicht mit ass…
Am Freitagmorgen fing meine lange Fahrerei an, denn ich hatte als einziger in weiser Voraussicht einen internationalen Führerschein (der in Russland obligatorisch ist) beantragt. Meine beiden Mitreisenden waren nicht mit derselben Weisheit ausgestattet und ich hatte dummerweise meine Weisheit nicht mit ihnen geteilt…
Zuerst gings in flottem Tempo an der finnischen Zollkontrolle vorbei (kurzer Blick in den Pass und wir konnten weiterfahren). Nach 5km über holprige Strassen im Niemandsland fragten wir uns, wo denn die legendären russischen Grenzkontrollen geblieben waren.
Doch wir sollten nicht enttäuscht werden: Vor uns tauchte auch schon die Kolonne der anderen Grenzgänger auf.
Bei der Passkontrolle (halbe Stunde Schlange Stehen) bekamen wir einen Stempel auf unser Visa und ein Formular zum Ausfüllen. Bei der Zollstation (wiedereine halbe Stunde) bekamen wir einen Stempel auf das zuvor ausgefüllte Formular und ein zweites Formular (in Kyrillisch) zum Ausfüllen. Nachdem wir die “englische“ Anleitung entziffert und jeder sein Formular in doppelter Ausführung komplettiert hatte, erklärte uns der überraschend anglophone Zollbeamte, dass nur der Fahrer das Papier auszufüllen brauche. Also zerrissen wir den Rest, bekamen ein schmuckes Fahrzeugformular mit Stempel ausgehändigt und kehrten zum Camper zurück.
Nach einer weiteren Stunde Herumhängen warf ein gelangweilter Zollbeamter einen Blick in unser Zuhause auf Rädern, liess die Barriere hoch und winkte uns durch. Wir waren in Russland!!!
Bei einer älteren russischen Strasssenverkäuferin liessen wir 300 Rubel (=10CHF; etwa 9CHF zu viel) für 2kg Heidelbeeren liegen und konnten uns nur knapp vor einem Kübel giftgelber Brombeeren retten. Auf abenteuerlichen postsowjetischen Strassen gings weiter, wir wurden rechts und links überholt und brachten uns mit russischen Pop-Schlagern in die richtige Stimmung (mir gefiels, Bö wars egal, Andi‘s musische Gehör sehnte sich nach Ohropax).
Die 200km nach St. Petersburg gingen relativ schnell vorbei; an einer Tankstelle erfreuten wir uns des spottbilligen Diesels (18R/l, ca. 60 Rappen) und nervten uns über den strohdummen Tankwart (eine Sekunde später und wir hätten die Zähne mit Diesel putzen können). Mit Hamburgern aus der Mikrowelle und Roulade gestärkt, rollten wir unserem Ziel entgegen.
Die Wegbeschreibung zum Campingplatz in unserem Reiseführer war nur rudimentär, wir verliessen uns also auf unsere langjährige Erfahrung und den gut trainierten Instinkt. Ein schwerhöriger Golfplatzwart und mehrere Tankstellenbetreiber konnten uns leider nicht weiterhelfen, daher suchten wir nach 4-spuriger St. Petersburger Innenstadt in der Rush Hour und etlichen Wendemanövern einen McDonalds auf. Dieser stattete uns sowohl wireless mit GoogleMaps®, als auch kulinarisch mit Burgern und Chicken Nuggets aus (schmecken genau gleich wie in der CH).
Prompt fanden wir das Hotel Olgino (Strassenschild: “ΟТЕЛЬ ОЛЬГИНО“, haha), auf dessen Gelände sich der Campingplatz befand. Wir checkten bei der hochspeditiven deutschsprechenden! Receptionistin ein, holten Bargeld (Kartenleser war kaputt), versuchten zu unserer Unterkunftsbestätigung zu kommen (am Wochenende unmöglich und nachher zu spät, je nu) und manövrierten den Camper um Schlaglöcher herum auf eine Waldlichtung zwischen Hotel und Meer.
Dort wurden wir auch gleich von einer Horde deutscher Camper begrüsst, die uns über die Vorzüge und Tücken des Landes informierten. Ich war KO, hörte nicht mehr zu und ging schlafen.
- Sinigan
- 1. russische Limousine
- russische Strasse
- Sovietisches War Memorial
- St. Petersburger Banlieue





Lieber Robin
Herzlichen Dank für Deine Karte vom Nordkap und dass Du so weit weg von zu Hause an deine betagte Tante gedacht hast.
Einer Deiner Urgrossväter (Otto Metzler) war einst auch am Nordkapp, hat ein Zertifikat heimgebracht, das ich suche und bis heute nicht gefunden habe.
Ich lese Eure Reiseberichte gerne und sehe im Atlas nach, wo gerade Ihr Euch aufhaltet.
Herzliche Grüsse aus dem Sintflutregen ind der Grub AR Tante Ann
Von: tantanann am 3. August 2009
um 21:51